Orthopädie-Schuhtechnik

Jahreskongress des österreichischen Zentralverbandes für Orthopädie-Schuhtechnik

Vom 12. – 14. Oktober ging auch heuer wieder der Jahreskongress des österreichischen Zentralverbandes (ÖZV) für Orthopädie-Schuhtechnik (OST) in Schladming über die Bühne. Mit rund 40 Industrieausstellern und unzähligen Teilnehmern fand der Kongress sehr großen Anklang und präsentierte sich als ideale Plattform für regen und produktiven Austausch innerhalb der Branche. Sowohl die Fachausstellung, bei der auch opta data teilnahm, als auch die Fachvorträge zu den Themen „Betriebsnachfolge“, „DSGVO“, „Neue Website des ZV“, „Orthopädisch-chirurgische Therapiekonzepte beim DFS“ und „Plantarulcus bei Neuropathie“ wurden mit Begeisterung aufgenommen.

ÖZV Kongress 2018

Interview mit Orthopädie-Schuhmachermeister Franz Gerlinger

Franz Gerlinger

 

Was sind aktuelle Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen in der Orthopädie-Schuhtechnik? Wie steht man zur bevorstehenden Kassenreform? Welche Visionen gibt es für die Branche? Das wollten wir ganz genau wissen und haben deshalb am ÖZV Kongress bei Orthopädie-Schuhmachermeister Franz Gerlinger (Ausschussmitglied der Landesinnung NÖ und Schriftfrüher des ÖZV) nachgefragt.

Mit welchen Herausforderungen und Entwicklungen sind Orthopädie-Schuhtechniker generell im Gesundheitswesen und im Speziellen in der OST-Branche aktuell konfrontiert?

Herr Gerlinger: Gesellschaftliche, wirtschaftliche, technische und strukturelle Veränderungen fordern das gesamte Gesundheitswesen auf, sich neuen Bedürfnissen und Entwicklungen anzupassen. Vor allem demografische Entwicklungen, wie beispielsweise die zunehmende Lebenserwartung innerhalb der Gesellschaft, erweisen sich als positiv für die Orthopädie-Schuhtechnik-Branche – das Kundenpotential steigt dadurch natürlich enorm.

Eine Herausforderung, mit der sich viele Orthopädie-Schuhtechniker aber immer wieder beschäftigen müssen, ist das Spannungsfeld zwischen Krankenkassen- und privatem Markt. Die Kunden wollen den Service der Krankenkassen natürlich in Anspruch nehmen. Die Herausforderung für den Unternehmer dabei ist es, der Nachfrage gerecht zu werden und zugleich aber auch kostendeckend und gewinnmaximierend zu arbeiten.

Wie stehen Sie und Ihre Kollegen zur bevorstehenden Kassenreform?

Herr Gerlinger: Generell bin ich, und ich denke ich kann auch für einige meiner Kollegen sprechen, der Kassenreform eher positiv gestimmt. Der Grundgedanke dahinter ist es ja eine Harmonisierung der aktuellen Unterschiede zwischen den einzelnen Kassen und zwischen den Bundesländern zu erreichen – das ist grundsätzlich gut und auch gewünscht. Die Regierung ist generell sehr ambitioniert diese Harmonisierung durchzuführen. Eine Organisation, die sich sehr bald an dieser Diskussion rund um die Kassenreform beteiligt hat, war die Innung der Orthopädieschuhmacher. Innungsmeister Manfred Hager hat das direkte Gespräch mit Regierungsvertretern und den Krankenkassen gesucht, um von Beginn an aktiv bei der Gestaltung der Reform mitwirken zu können. Ein großes Ziel war ein Mitspracherecht zu erwirken, um im weiteren Verlauf die Interessen der Innung möglichst effektiv und konsequent vertreten zu können. Wir hoffen damit positiv einwirken zu können.

„Automatisierung und Digitalisierung machen auch vor der Orthopädie-Schuhtechnikbranche nicht halt!“

Wie denken Sie wird die Digitalisierung die Branche der Orthopädie-Schuhtechnik verändern?

Herr Gerlinger: Automatisierung und Digitalisierung machen auch vor der Orthopädie-Schuhtechnikbranche nicht halt. Handwerkliche Expertise und Maßarbeit werden jedoch in näherer Zukunft nicht durch Maschinen zu ersetzen sein, da jeder Fuß individuell ist und spezifische Anforderungen hat. Maschinen offerieren, nach dem heutigen Stand der Technologie, Kompromisslösungen. Es können Schnittmengen en masse produziert werden, die weder an die Qualität eines maßgefertigten Schuhs heranreichen, noch den individuellen Bedürfnissen von Patienten gerecht werden.

Bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten wird innerhalb der Branche intensiv im Bereich Automatisierung geforscht und investiert. Die Ergebnisse sind bis dato jedoch überschaubar. Um einen optimalen Orthopädie-Schuh anzufertigen, bedarf es neben einer erstklassigen Maßarbeit auch der Kenntnis um die unterschiedlichen Materialien, aus denen ein Schuh gefertigt wird und deren komplexe Verarbeitung fundiertes Expertenwissen voraussetzt. Solange Maschinen nicht in der Lage sind sich diese Kenntnisse anzueignen, wird Handarbeit nicht zu ersetzen sein und weiterhin einen hohen Wert in der Gesellschaft haben.

Welche Zukunftsvisionen haben Sie für den ÖZV?

Herr Gerlinger: Das ist eine sehr gute Frage, mit der sich auch der Vorstand des ÖZVs aktuell beschäftigt. Man ist auf jeden Fall sehr bestrebt den Verband laufend weiterzuentwickeln und modern aufzutreten. Einen Teil davon spiegelt sicher unsere neue Homepage wieder.

Ein weiteres wichtiges Thema für die Zukunft wir auch die Nachfolgeregelung innerhalb des Vorstandes des ÖZVs sein. Die Mitglieder des Vorstands bewegen sich alle ungefähr in derselben Altersgruppe. In 5 – 10 Jahren wird in Folge dessen der Großteil der Vorstandsmitglieder in Pension gehen. Daher ist es notwendig sich bereits jetzt mit der Nachfolge auseinander zu setzen, um ein qualifiziertes und kompetentes Vorstandsteam aufzubauen. Erfreulicher Weise gibt es momentan eine sehr aktive und engagierte  Generation, die den künftigen Herausforderungen der Branche gewachsen sein wird.

Wie sieht ihr Resümee zum heurigen ÖZV-Kongress aus?

Herr Gerlinger: Wie auch letztes Jahr haben auch heuer wieder viele Mitglieder und Industrieaussteller an der Veranstaltung teilgenommen – das freut uns natürlich sehr. Die Veranstaltung hat dadurch sicherlich ihre Berechtigung und ermöglicht den österreichischen Orthopädie-Schuhtechnikern auch in der Heimat regen Austausch. Wir freuen uns schon jetzt auf nächstes Jahr!

Vielen herzlichen Dank an Herrn Gerlinger für seine Zeit und Expertise! Wir freuen uns bereits auf den nächsten Jahreskongress des ÖZVs!